Rezension | „H.O.M.E“ von Eva Siegmund

Es ist mal wieder Zeit für eine Rezension. Und diesmal zu einem Buch, zu welchem ich durch meine Kollegen auf Instagram geinfluenced wurde. Besonders angefixt hat mich Wiebi.

Dementsprechend habe ich mir voller Vorfreude die Dystopie „H.O.M.E.“ von Eva Siegmund gekauft und fast direkt angefangen zu lesen. Ich hatte folgende Erwartungen an dieses Buch:

  • ein interessantes Zukunftsszenario
  • eine spannende Geschichte um Zoes Schicksal
  • einen riesigen Cliffhanger zum Ende des Buches, sodass ich dringend Band 2 lesen muss
  • während des Buches einige überwältigende Szenen, die mir das Gehirn wegpusten
  • überraschende Wendungen, je mehr man erfährt

Wie ihr also merkt, waren meine Erwartungen eventuell etwas zu hoch angesetzt, aber da so von dem Buch geschwärmt wurde, habe ich mit nichts anderem gerechnet.

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Tatsächlich hat es mir wirklich ganz gut gefallen. Ich mag Dystopien und Zukunftsszenarios, die realistisch gestaltet sind. So auch in der Welt von Zoe. Die Geschehnisse spielen in unserer Hauptstadt Berlin. Somit herrscht ein ganz anderes räumliches Vorstellungsvermögen. Die Autorin hat das sehr gut umgesetzt und ich bin mit Zoe, Tom und Kip durch ganz Berlin gewandert. Über Plätze und Sehenswürdigkeiten, die ich auch schon selbst besucht habe.

Voller Erwartung habe ich Zoes Mission verfolgt: Warum zum Henker sie nach 12 Jahren aus einer Art Koma erwacht ist, jedoch im Koma ein perfektes Leben geführt hat und ihr der Zustand gar nicht bewusst war. Die Welt ist ihr also komplett fremd, genauso wie ihre vermeindliche Familie. Die Umsetzung ihres Misstrauens und ihrer Verwirrung finde ich wirklich richtig gut. Sie kann niemandem vertrauen und kann nicht begreifen, wieso die Ärzte ihr auch keine Antworten geben können. Zoe ist ein einmaliges Phänomen, denn sie ist die erste Person, die je wieder aus diesem komatösen Zustand erwacht ist. Trotzdem gibt es noch eine Reihe an weiteren jungen Probanden, welche seit der Dürrezeit in Berlin in ein Koma gefallen sind. Und hier kommen wir zu einem Punkt, der mich gestört hat.

In Deutschland, aber auch im Rest von Europa, herrscht Wasserknappheit. Um nicht zu sagen, es gibt kein laufendes Wasser mehr und geregnet hat es schon seit Jahren nicht mehr. An sich ein interessanter Fakt aus dem viel Potential für die Geschichte geschöpft werden kann. Jedoch wurde dies wohl nur als Spannungsbogen hinzugefügt und die Autorin hat sich nicht konkret mit der Tatsache befasst, was man leider merkt.

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Hin und wieder wird zwar erwähnt, dass Wasser unglaublich teuer geworden ist und dass die Reichen alle in die Nordländer ausgewandert sind, jedoch gibt es trotzdem noch Kaufhäuser in Berlin, die Textilien, Spielzeuge, Deko und Ähnliches verkaufen. Das ist faktischer erstmal absolut sinnlos. Denn zur Herstellung von all den Sachen wird was gebraucht? Genau, Wasser. Hunderte, tausende Liter! Wenn wirklich so eine Wasserknappheit herrscht, würde die niemand opfern, um damit unnötigerweise Luxusartikel herzustellen. Außerdem würde sich dafür kein Arsch interessieren, ob er nun eine Gucci Tasche hat oder nicht, wenn er das Geld lieber in Wasser investieren kann. Zweitens wurde in dem Buch erwähnt, dass in Lebensmittelmärkten, es verschiedene Abteilungen für Wasser gibt: sauberes Wasser | getestetes Wasser | teilweise getestetes Wasser | kein Trinkwasser | nicht unbedingt als Trinkwasser geeignet | etc.
Eine 0,5 L Flasche mit sauberem Wasser kostet hier 15 Euro. Da sich die Menschen das aber nicht leisten können, stehen sie wohl immer nur bei der Rubrik „teilweise als Trinkwasser geeignet“. Meiner Meinung nach Unsinn, denn Wasser gehört, wie die Luft zum Atmen, zu den elementären Dingen, die ein Mensch zum Leben braucht. Wenn es seit 12 Jahren also nicht mehr regnet, kein Wasser mehr aus den Leitungen kommt und man auch sonst keine Möglichkeit mehr hat an Flüssigkeit ranzukommen, würden die Leute nicht mehr brav ihr trinken kaufen, sondern sich einfach alles nehmen.

Zudem gibt es ein hiesiges Krankenhaus vor dem täglich eine nie endende Schlange mit Müttern steht, die versuchen, ihr/e Kind/er dort reinzubringen, damit es dort wenigstens ein bisschen Flüssigkeit bekommt. Wo ich mich frage, wo bekommt das Krankenhaus diese Mengen an Wasser her, die sie täglich benötigen? Haben die etwa Geld, um sich welches aus den noch funktionierenden Nordländern importieren zu lassen? Wie viele Tausende Liter sollen das sein?
Im einem Krankenhaus wird mehr Wasser gebraucht als überall sonst.
–> es muss alles steril sauber sein, um keine Bakterien/Krankheiten zu verbreiten
–> Wunden müssen gereinigt und versorgt werden
–> Infusionen sind Flüssigkeiten, die in die Körper gepumpt werden
–> Patienten müssen gewaschen werden
–> Medikamente werden mit Flüssigkeit eingenommen
–> Patienten bekommen Mahlzeiten zur Stärkung etc

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Ja, ich weiß, die Wasserknappheit steht nicht im Fokus der Geschichte. Sie ist eher ein Bonus, aber ich finde, dass dieser Fakt nicht zwingend notwendig gewesen wäre.

Natürlich hängt die Wassergeschichte mit Zoes Koma zusammen, aber meiner Meinung nach hätte man das entweder anders lösen müssen, oder eben die Sache mit dem Wasser mehr ausbauen und auch die Konsequenzen für die Menschen mehr verdeutlichen müssen.

Abgesehen davon hat mich die Geschichte unterhalten und ich fand sie spannend. Der Schreibstil ist gut und hat mich immer wieder abgeholt. Ich wollte wissen, wie es mit Zoe weitergeht. Ich bin sehr gespannt inwiefern Band zwei mich überzeugen kann.

 

weitere Rezensionen:

Buchstabenträumerei sagt: „H.O.M.E. – Das Erwachen“ von Eva Siegmund ist eine spannende Dystopie und ein sehr vielversprechender Auftakt einer neuen Buchreihe. 

Kathrin Everdeen sagt: Flüssig geschrieben, mit viel Einfühlungsvermögen für ihre Figur Zoë, hat mich Eva Siegmund trotzdem bis zum fiesen Cliffhanger am Ende recht unterhaltsam durch die Seiten geführt – auch wenn Zoë in diesem Auftaktband viel Zeit verbummelt und nur langsam zur Wahrheit vordringt.

Wiebi Peters sagt: Eine dermaßen spannende und geniale Dystopie – jegliche meiner Erwartungen wurden meilenweit übertroffen.

Pretty Tigerbuch sagt: Eva Siegmunds neuer Jugendroman ist nervenaufreibend, modern und steckt voller Überraschungen.

 

 

3 Gedanken zu “Rezension | „H.O.M.E“ von Eva Siegmund

  1. Huhu Vera,
    ich finde es klasse, dass du so detailliert auf die Thematik Wasserknappheit eingehst. Da gibt es in der Tat einige Punkte, die nicht ganz plausibel sind. Mal sehen, was der Folgeband an Infos und Wendungen bringt! Und dank dir fürs Verlinken 🙂
    Liebste Grüße
    Anna

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