Die Lieblingskunden eines jeden Einzelhändlers

Da der letzte Beitrag über den Alltag im Einzelhandel so gut bei euch ankam und ihr drum gebeten habt, dass ich noch eine Ausgabe davon mache, dachte ich, ich zähle euch heute mal meine absoluten Lieblingskunden auf! Ich bin seit fast sechs Jahren im Einzelhandel tätig und habe dort schon alles erlebt. Denkt man. Manchmal frage ich mich selbst, ob ich jetzt hier in der Realität bin, oder doch bei versteckter Kamera. Leider ist letzteres noch nie passiert, weswegen ich der Meinung bin, dass Menschen, sobald sie shoppen gehen, ihre zweite Identität herauskramen. Trotz alledem mag ich meinen Job ganz gern und ich finde den Kundenkontakt immer wieder spannend.

Genießt diesen Text bitte mit einem Schmunzeln. 😉

Sicherlich gibt es noch mehr und ihr könnt mir auch noch einige aufzählen. Ich freue mich, auf eure Geschichten aus dem Berufsleben!

DIE „ICH-ZEIG-DIR-WIE-DU-DEINEN-JOB-MACHEN-MUSST“-KUNDEN

Generell bin ich diesen Menschen immer unglaublich dankbar, dass ich so viel von ihnen lernen kann. Ich wüsste gar nicht, was ich den ganzen Tag auf Arbeit ohne sie tun würde, wenn sie nicht hin und wieder nach mir sehen, um mir Anweisungen zu erteilen. Schließlich sind sie komplett in unsere organisatorischen Abläufe integriert und können mich somit voll und ganz mit ihrer Intelligenz unterstützen. Ich kann euch nur empfehlen auf sie zu hören!

DIE BESSERWISSER

Wenn diese Kunden den Laden betreten, kann ich mir sicher sein, dass ich hier noch einiges lernen kann. Denn der Erfahrungsschatz dieser Menschen ist einfach unglaublich. Obwohl sie in einer komplett anderen Branche arbeiten, kennen sie die Ware besser als ich! Denn nicht selten betreten sie das Geschäft und möchten kaputte Artikel mehrerer Marke reklamieren, die gar nicht zum Unternehmen gehören. Was aber ein Denkfehler meinerseits ist, denn schließlich kaufen die Kunden immer hier ein und andere Shops kennen sie auch gar nicht.

DIE ICH-BRAUCHE-KEINE-HILFE-LADENVERWÜSTER

Ähnlich wie die Besserwisser, sind sie bereit den Laden auf eigene Faust zu erkunden. Sie brauchen keine Hilfe in der Warenauswahl, denn wenn sie die passende Größe oder Farbe nicht finden, reißen sie einfach jedes Teil heraus und werfen dann alles frustriert irgendwo auf einen Haufen. Mir tut es immer richtig Leid, wenn diese Kunden den Laden verlassen, denn sie haben mir so viel Arbeit in den letzten zwei Stunden ihrer Anwesenheit abgenommen, in dem sie den Laden komplett neu sotiert haben.

DIE „DU-VERSTECKST-ETWAS-VOR-MIR“-KUNDEN

Ich weiß nicht, wie diese Kundengruppe entstanden ist, denn eigentlich dachte ich, dass es in der heutigen Zeit nicht mehr nötig ist, die Ware vor dem Kunden zu verstecken, da es so viele Möglichkeiten gibt, etwas eigens für den Kunden zu bestellen. Aber man lernt ja nie aus. Deswegen fragen diese Leute dich immer zehnmal, ob du das Teil nicht wirklich noch in einer anderen Farbe oder Größe im Geschäft hast. Zum Glück, denn vielleicht fällt dir nach der zehnten Nachfrage ja doch plötzlich noch ein, dass du es in der Mikrowelle im Personalraum versteckt hast.

DIE SCHWEIGSAMEN

Der Handel lebt von Kommunikation. Ich möchte die Bedürfnisse der Kunden stillen und das funktioniert am besten, wenn ich in ein Gespräch mit meinen Kunden komme. Aber, Gott sei Dank bekomme ich mit diesen Kunden ein bisschen Abwechslung. Sonst wäre es ja langweilig und zu einfach! Um hier irgendetwas aus dem Menschen herauszubekommen, muss ich meine hellseherischen Fähigkeiten aktivieren. Bei diesen Kunden muss ich wirklich alle Register ziehen, denn nachdem ich das Zeichen bekommen habe, dass sie bedient werden möchten, kann ich nur noch aus der Mimik und Gestik und der Länge des Schweigens herausfinden, was der Kunde bevorzugt. Sehr herausfordernd und an einem Samstag absolut von Vorteil, denn er ist der einzige Kunde, der eine Beratung wünscht.

DIE ÜBER-DIE-LADENTHEKE-GREIFER

Ein klassischer Moment in meinem Arbeitsleben: die Arbeit an der Kasse. Die Kunden haben sich entschieden und sind so Feuer und Flamme für die neuen Artikel, dass sie am liebsten alles selber machen würden. Der ganze Prozess kann ihnen nicht schnell genug gehen und auch ich bin super dankbar, wenn der Kunde mir da einfach die Arbeit abnimmt. Ich liebe es, wenn die Kunden sich selber an dem Kartenlesegerät, der Kassenbonmaschine und generell meinem Bereich an der Kasse selbst bedienen und zur Not einfach mal mit dem Arm in mein Areal greifen und sich ihre Sachen selbst nehmen.

DIE „10-MINUTEN-VOR-SCHLUSS“-KUNDEN

Diese Gruppe an Menschen gehört definitiv zu meinen liebsten! Es ist kurz vor Feierabend, ich bin schon wirklich traurig, dass mein 9 h Tag sich dem Ende neigt und habe Angst, dass die letzten Minuten zu schnell vergehen könnten. Deswegen hoffe ich immer auf Kunden, die mir kurz vor Schluss nochmal richtig viel Arbeit bescheren und im besten Fall mit ihrer gewählten Ware erst nach Ladenschließung an die Kasse kommen. Ich frage mich auch täglich, was ich denn eigentlich zu Hause soll, denn auf Arbeit ist es wirklich so schön, dass ich glatt hier einziehen könnte!


Kennt ihr diese Kunden auch oder gibt es noch ein paar andere die euch einfallen? Was sind eure liebsten Kunden? Ich würde mich wahnsinnig über den Austausch mit euch darüber freuen.

xoxo Vera

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2 Gedanken zu “Die Lieblingskunden eines jeden Einzelhändlers

  1. Auch schön sind die
    – „holen-Sie-mal-nen-(männlichen)-Kollegen-der-sich-auskennt“
    – „wie-nah-kann-ich-Ihnen-auf-die-Pelle-rücken?“ gekoppelt mit den „Hygiene,-was-ist-das?“
    – „da-bekomm-ich-jetzt-aber-mindestens-50%-Rabatt-drauf“
    – „ich-kauf-zwar-bei-Amazon-aber-beraten-können-Sie-mich-ja-trotzdem-und-zwar-mindestens-2-Stunden-lang!“
    – die extrem Variante des 10-Minuten-vor-Schluss-Kunden, der „mir-egal-ob-Sie-schließen,-ich-will-jetzt-Beratung-plus-Finanzierung“
    Kunden.

  2. Ich liebe die ’10-Minuten-vor-Schluß‘-Kunden 😀 bei mir in der Gastronomie und dann bestellen sie immer das was am längsten dauert und wundern sich, warum sie es nur zum mitnehmen bekommen (wir scherzen vorher immer, das wer kommt und das auch bestellt XD ist quasi unser Running Gag )

    Schön sind auch die Kunden, dir tun als hätten sie alles verstanden und man hat es ihnen x mal erklärt und kurze Zeit später regen sie sich auf wenn etwas nicht klappt :/

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