Der Alltag im Einzelhandel

Hallo ihr Lieben!

Ich habe in der letzten Zeit ein paar Videos, zu „Wie es wirklich ist, im Buchladen zu arbeiten“ gesehen und dachte mir: „Hey, wieso machst du nicht mal einen ähnlichen Beitrag?“

Da ich ja nun jahrelang im Schuhhandel gearbeitet habe und jetzt auch im Textilbereich mein Verkäufer Dasein fortführe, habe ich allerhand Dinge, die ich euch aus meinem täglichen Arbeitsbereich erzählen kann. Und ich kann euch sagen, im Einzelhandel erlebt man alles. Und auch wenn manche unglaublich klingen sollten: sie sind alle wahr.

Vorab: lest diesen Artikel mit einem Augenzwinkern. 😉

Situation 1:
Im Schuhgeschäft.
„Entschuldigen Sie, verkaufen Sie hier auch Schlüpfer für meinen Enkel?“


Situation 2:
Kunde: „Ich würde gern diese Schuhe umtauschen, weil die nicht passen.“
Ich: „Die Schuhe haben Sie aber schon draußen auf der Straße getragen. Da kann ich die leider nicht mehr zurücknehmen.“
Kunde: „Ja, ich muss die Schuhe doch probieren, ob sie passen.“
Ich: „Tut mir Leid, aber wir können nur ungetragene Ware zurücknehmen. Deswegen sollte man die Schuhe vorher im Laden probieren oder nochmal in der Wohnung.“
Kunde: „Das ist doch totaler Quatsch. Ich habe ein Umtauschrecht.“
Ich: „Es gibt kein Umtauschrecht, nur ein Rückgaberecht bei mangelhafter Ware. Vielleicht gibt es ja jemanden in der Familie, dem die Schuhe passen oder Sie verschenken Sie.“
Kunde: „Der Mangel ist ja, dass die nicht passen! Man merkt das ja nicht bei dem kurzem Probieren im Laden, ob die passen!!!! Sie können mir viel erzählen! Was soll ich denn jetzt mit den Schuhen? Ich hatte die nur mal ein paar Stunden auf der Straße an und dann haben sie an der Ferse/Zehe gedrückt. Ich will sofort mit Ihrem Chef sprechen! Eine Frechheit! Sie werden noch von mir hören!“


Situation 3:
„Wie, jetzt bekommt man nicht mal mehr eine Tüte dazu? Da soll ich jetzt noch 10/25 ct extra bezahlen? Das ist schon eine Frechheit von Ihnen. Ich werde hier nicht mehr einkaufen.“


Situation 4:
Familie mit 2-3 Kindern kommt in den Laden. Die Kinder spielen verstecken zwischen den Kleidungsstücken, schreien, gehen ins Schaufenster und jagen sich durch den Laden.
Wenn du die Eltern freundlich darauf ansprichst, dass sie bitte mehr Acht geben sollen, weil das kein Kinderspielplatz ist, bekommst du nur einen abschätzigen Blick und sie verlassen sofort grummelnd den Laden, weil die böse Frau was gegen die ach so netten Kinder gesagt hat.


Situation 5:
Im Schuhgeschäft.
Kunde: „Ist das alles was Sie an Schuhmodellen da haben?“
Ich: „Ja …? Was suchen Sie denn?“
Kunde: „Nichts besonderes, aber früher gab es eindeutig mehr Auswahl. Früher, so vor 30, 40 Jahren war alles besser!“
Genau. In der DDR gab es früher viel mehr Auswahl an Ware als jetzt.


Situation 6:
Im Textilgeschäft.
Kundin: „Ich will für meinen Mann eine Hose kaufen. Aber die sind alle so kurz.“
Ich: „Wir haben auch noch andere Modelle. Diese hier hat ein längeres Bein.“
Kundin: „Nein, ich meine hier am Schritt. Da ist so wenig Platz. Da passt doch gar nicht alles rein.“
Ich: „…“
Kundin: „Das ist viel zu kurz. Schau mal. Was da alles vorne rein muss. Das passt ihm niemals.“
Ich: „Also bisher hat hier jeder Mann die passende Hose gefunden. Das sind ganz normale Schnitte. Sie können die auch gerne nochmal umtauschen.“
Kundin sieht zweifelnd die Hose an: „Ne meine Gute. Er hat so viel. Das passt da nicht alles rein. Verstehst du? Aber die sind alle so. Er ist nicht groß, aber er hat wirklich viel.“


Situation 7:
Im Textilgeschäft.
Kunde: „Das T-Shirt dort am Eingang, wo „SALE“ draufsteht. Wo hängt das hier im Laden. Ich finde das gar nicht.“
Ich: „Das gibt es nicht zu kaufen. Das ist nur Deko, damit die Kunden sehen, dass wir jetzt Sale haben.“
Kunde: „Können Sie mir da nicht eines davon geben?“
Ich: „Ähm, nein? Das ist wirklich nur zur Deko. Das ist nicht käuflich.“
Kunde: „Schon eine Unverschämtheit von Ihnen so was auszustellen und es dann nicht mal zu verkaufen! Glauben Sie, dass Sie es nicht nötig haben, den Umsatz zu erzielen?“


Situation 8
Kunde: „Das möchte ich gerne hier wieder zurückgeben.“
Ich: „Diese Marke verkaufen wir hier gar nicht.“
Kunde: „Was? Natürlich! Ich gehe schon immer hier einkaufen.“
Ich: „Tut mir Leid, aber das kann ich wirklich nicht annehmen, weil das nicht von uns ist.“
Kunde: „Ich werde doch wohl noch wissen, wo ich das gekauft habe! Ich kaufe nie woanders! Immer nur hier. 100 Prozent habe ich das hier gekauft. Vielleicht haben Sie die Marke nur aus dem Sortiment genommen!“


Situation 9:
Ich: „Tut mir Leid, das ist ausverkauft. Online als auch in den Stores. Das kann ich Ihnen leider nicht mehr bestellen.“
Kunde: „Och schade. Wirklich nicht?“
Ich: „Ja, leider nichts mehr da. Sorry.“
Kunde: „Und vielleicht in einem anderen Laden? “
Ich: „Leider nein.“
Kunde: „Schade. Und vielleicht in […]?“
Ich: „Nein. Nirgends mehr.“
Kunde: „Hm … Und in […]?“


Ich hoffe, euch hat der kleine Einblick in meinen Alltag gefallen. Ich bin gespannt, ob ihr eventuell auch ein paar lustige Geschichten zu erzählen habt.

Natürlich gibt es noch viel viel mehr davon und täglich kommen neue komische Situationen dazu, aber das sind meine bisherigen Highlights, die sich auch wirklich häufen, und wo ich einen kühlen Kopf bewahren muss, um manchmal nicht vollends durchzudrehen.

xoxo Vera

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28 Gedanken zu “Der Alltag im Einzelhandel

  1. Sowas sollte ich auch mal über die Gastronomie schreiben xD
    Vielleicht mache ich das auch wirklich. Heute habe ich auch eine Knigge-Ratgeber auf meinem Blog erstellt. Lustig das du diesen Beitrag geschrieben hast.
    Ich kann mir deine Blicke bei manchen Situatuonen bildlich vorstellen.

    Liebe Grüße
    lilly

  2. Ich liebe solche Beiträge 😀 das macht mir Mut, dass ich nicht alleine von Vollpfosten umgeben bin

    Ich hab mal zwei Jahre als Politesse gearbeitet – sehr oft gingen die Bürger davon aus, dass wir im Kofferraum Parkverbotsschilder haben und die aufstellen, wenn gerade keiner schaut XD
    Oder auch:
    Ich zu einer Falschparkerin: „Sie können hier nicht stehen. Wenn sie hier stehen bleiben kostet sie das 5 Euro“
    Frau *auf andere Straßenseite zeig* „und darüben?“
    Ich: „15“
    Frau: „hm…. ok ich bleib hier stehen. Verwarnen sie mich.

    Momentan arbeite ich bei Nordsee
    Ich muss sagen, es gibt Leute, die erstaunt sind, dass es da nur Fisch gibt
    Es gibt Leute, die auf einen Fisch zeigen und genau DAS Schnitzel wollen und wenn man versucht ihnen zu erklären, dass es Fisch ist, wollen sie trotzdem das Schnitzel XD
    Schön ist auch: ich neige dazu zu schnell zu sprechen, gerade wenn ich zum 100mal am Tag die Soßen aufzähle. Und irgendwann verstehen die Leute nur Marmelade statt Remoulade. Erstaunlich viele bestellen dann doch Marmelade zum Fisch XD

    Meine Kollegin hat aber mal den Vogel abgeschoßen:
    Kunde ‚ich hätte gern frischen Fisch‘
    Kollegin (52) ‚das einzige alte hier bin ich‘ – aber Hut ab für die ernste Miene XD

  3. Hallo Liebes,
    genau so Situationen gibt es bei uns auch. Ich arbeite im Buchhandel und muss mich teilweise wirklich zurück halten …

    Mein liebstes Beispiel:

    (Junge Kundin, sehr gestylt mit Markenhandtasche / bitte nicht wertend sehen, nur damit man den Gesamteindruck bekommen;) )
    Entschuldigung. Ich habe einen Freund und der liest so Bücher. (zeigt auf Romane) und ich suche ein Geschenk
    Ich: Was hat er denn als letztes gelesen?
    Sie: Ich weiß nicht genau, aber der liest so hochwertiges Zeug. Haben denn Schiller und Goethe noch mal was neues geschrieben??

    Man stelle sich meinen Gesichtsausdruck vor;)

    Alles Liebe,
    Ella

  4. Haha, bitte mehr davon! Ich finde es immer wieder amüsant, was Kunden denn alles so einfällt. Schwierig wird es dann in manchen Situationen ruhig zu bleiben 😀
    Liebe Grüße!

  5. Kommt mir bekannt vor, meine Schwiegermutter kann da Lieder von singen.

    „Haben sie diese Dinger, mit denen man Papier zusammenheften kann?“
    „Nein, Tacker haben wir nicht.“
    „Ich meine diese Klicker, die Nadeln ins Papier pieksen.“
    „Ja, die haben wir nicht.“
    „Sie wissen aber, was ich meine?“
    *zündet alles an*

    „Sie haben hier ja diese Chips, die man in Einkaufswagen stecken kann. Was ist denn der Unterschied zwischen dem blauen und dem grünen?“
    „Na der eine ist grün, der andere blau.“

    „Ich brauche was von dem Wachstuch als Tischdecke.“
    „Na klar. Wie viel cm brauchen sie denn?“
    „Na für so einen normalen Tisch halt.“

    The list goes on …

  6. Oh mei…

    Da gibt es so einiges, wo ich mich manchmal frage, ob ich bei versteckte Kamera bin.

    So ein klassiker bei uns ist eigentlich, wenn die für die Schulbücher Buchfolien gebraucht werden:

    Ich: Wie groß ist denn das Buch?
    Kundin: Na… sooo… etwa…
    Ich: Es gibt Buchschoner mit jeweils 5mm Unterschied, für die geläufigsten Bücher sogar mit 2mm Abstand, Ich bräuchte es also etwas genauer. Wenn sie mir Schule, Fach und Titel sagen, weiß ich vielleicht was es ist.
    Kundin: … Buch…

    • Manchmal suche ich auch die versteckte Kamera. 😀
      Aber ich glaube jeder hat so in seiner Sparte ein paar Klassiker, die auch nicht so selten vorkommen. xD

      Im Nachhinein ist es ja immer lustig.. xD

  7. Haha, was ein toller Beitrag! Ich kann mir deinen Blick förmlich vorstellen und musste gerade echt oft lachen. Wahnsinn.
    Im Praktikum in einer Buchhandlung hat sich mal eine Frau bei mir beschwert, weil die Geschenke für die Kommunion auf dem Tisch alle so religiös sind. Ich habe ihr dann neutrale Bücher und Geschenke vorgeschlagen und sie hat am Ende einen Engel mit Spruch über Gott gekauft. 😀
    Ein anderer Kunde kam mal an mit der Bitte: „Ich suche da dieses Buch, das letztens im Fernsehen war. Blau mit roter Schrift.“ Ich habe versucht, irgendwelche Informationen aus ihm herauszubekommen (Titel, Autor, Cover, Inhalt), aber nein: „Blaues Buch mit roter Schrift“.
    Ein älterer Herr hat sich mal wahnsinnig über die Postkarten Preise aufgeregt und das sei ja unverschämt und überhaupt, hat richtig rumgeschrien.
    Eine Frau wollte ein Buch bestellen, hat mir einen Zettel unter die Nase gehalten, aber ich habe das Buch nicht im System gefunden. Sie schnauzt mich total an, wie inkompetent ich doch sei, bis die Kollegin dazu kam und ihr ist dann aufgefallen, dass besagte Frau den Buch Titel falsch aufgeschrieben hatte und etwas anderes meinte.

    • Blau mit roter Schrift. 😀 Omg. Es gibt halt so wenige Bücher und ich meine, das war echt schon Tipp genug! 😀
      Und die Leute erwarten auch, wenn du erst neu bist, dass du trotzdem das ganze Sortiment kennst! xD

      • Haha ja genau! Oh ja, ein Mann wollte mal ein Buch über Traktoren von irgendeinem Jahrhundert haben. Als ich nicht wusste, was ich ihm da empfehlen soll, weil ich mich da nicht auskenne, war er ganz entzürnt 😀

  8. Hallo Vera!

    Ein wirklich gelungener Beitrag! Tolle Idee, wirklich!
    Die Story mit der Hose … ich wäre vermutlich vor Fremdschämen im Boden versunken. Oder weil es mir unglaublich peinlich gewesen wäre. Oder so … Stört es dich eigentlich, wenn die Kunden plötzlich ins ‚Du‘ verfallen?
    Ich arbeite alle zwei Wochen in der Gastro und auch da gibt es Geschichten … Meiner Chefin ist letztens auch was witziges passiert. Es ging darum, ob der Gast die Pizza lieber in acht oder zwölf Stück geschnitten haben möchte. Darauf bekam sie die Antwort: „In acht! Zwölf schaff ich nicht!“ 😉
    Manchmal unterläuft einem selbst jedoch auch ein Fehler. Die Situation hatte ich vor einem Jahr. Unsere Speisekarte wurde geändert und ich hatte es nicht mitbekommen. Es ergab sich folgendes:
    Gast: „Ich hätte gerne Toast Hawaii.“
    Ich: „Toast Hawaii? Den haben wir nicht.“
    Gast: „Oh. Ist der aus?“
    Ich: „Nee, den haben wir nicht.“
    Gast: „Aber der steht doch in der Karte …?“
    Ich: „Was?! Oh! Nun gut, dann haben wir den doch und ich bestell den für Sie.“ 😛

    Liebste Grüße,
    Wiebi

    • Liebe Wiebi, das ist natürlich auch peinlich. 😀
      Aber ich grüße auch manchmal bestimmt 1 Kunden 5x, weil das einfach automatisch aus dir raus kommt. Und dann denke ich: War der nicht vorhin shcon da? Es ist manchaml echt schwierig. 😀

      Ganz liebe Grüße!
      Wir schaffen das!

      • Ist es!
        Ich hatte auch schonmal drinnen einen Gast, geh raus, begrüße jemand (für mich) neues draußen an einem Tisch und er meint nur: „Ich wollte nur rauchen, ich sitze doch drinnen … “ Das kann echt peinlich sein!

        Aber du hast recht! Wir schaffen das!

  9. Hey!
    Ein wirklich cooler Einblick, auch wenn die meisten Situationen für schlimmes Fremdschämen sorgen 😀
    Ich arbeite in einer Psychiatrie und könnte mittlerweile echt ein Buch schreiben, haha.

    Liebe Grüße,
    Nicci

  10. Pingback: Die Lieblingskunden eines jeden Einzelhändlers | CHAOSKINGDOM

  11. Hallöchen,
    ich mache eine Ausbildung im Buchhandel und da passieren natürlich auch so einige verrückte Dinge.
    Mein Erlebnis zu deiner ersten Situation ist gerade sehr passend. Meine Kollegin wurde mal gefragt, ob wir auch Schuhe verkaufen 😀
    Oh, das leidige Thema „Tüte“. Mittlerweile geht es zum Glück, aber was wir uns anfangs für Sprüche anhören mussten …
    Auch Situation 4 hatten wir kürzlich. Und zwar in einer negativen Rezension. Angeblich hätte eine Mitarbeiterin zweimal unhöflich die Kinder darauf hingewiesen, doch etwas leiser zu sein. In einer Buchhandlung … ist ja unerhört!
    Zu Situation 6 fällt mir nur eines ein: WTF?! Was man sich aber auch alles anhören muss. Die ganze Lebensgeschichte 😀
    Oh Situation 9 kenne ich auch so gut. Man sagt, das gibt es nicht mehr und dann warten die Kunden noch so ein paar Sekunden, bevor sie reagieren. Könnte ja sein, dass ich meine Meinung ändere und es doch plötzlich verfügbar ist.

    Meine Lieblingssituation:
    Kunde sucht einen Film auf DVD, von dem ich noch nie was gehört habe, und nennt mir einen Schauspieler, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Als ich nachfragte, wie der Schauspieler geschrieben wird, kam ein: Wie, den kennen sie nicht? Ja, was machen sie denn dann hier?!
    Meine absolut (nicht) schlagfertige Antwort: Ich arbeite hier.
    Ende vom Lied, die DVD gab es nicht mehr und ich bin eine ganz schlechte Buchhändlerin, weil ich den Film und den Schauspieler, der 20 Jahre vor meiner Geburt gestorben ist, nicht kenne.

    Toller Beitrag!
    Liebste Grüße, Kate

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