EIN GANZES HALBES JAHR – Film vs. Buch

Hallo meine Lieben!

Letzten Donnerstag, den 23.06.2016, hatte ich meine mündliche Abschlussprüfung und das gute Ergebnis musste ich natürlich in einem Shoppingtag feiern, aber dazu mehr in meinem extra Post.
Später hatte ich mich noch mit meiner besten Freundin getroffen und zusammen waren wir in „Ein ganzes halbes Jahr“. Normalerweise bin ich der emotionale Typ, der bei jedem bisschen im Kino flennt, aber J hat mich tatsächlich überrascht. Aber auch dazu später mehr.

Cover-ein-ganzes-halbes-jahr

Ich habe das Buch letztes Jahr im Sommer gelesen, obwohl ich eigentlich solches Alltagszeugs gar nicht mag. Ich bin ja eher der Fantasy und Dystopie-Typ.
Da ich aber so viele gute Kritiken, ja Lobeshymnen, über das Buch gelesen habe und auch aufgrund meines Unfalls, wie die meisten von euch wissen, habe ich dann doch bei Kaufland zu dem Buch gegriffen und es auch spontan begonnen.
Die Geschichte um Will, der querschnittsgelähmt ist vom Hals abwärts, hat mich echt sehr berührt und es hat mir in jeder Sekunde gezeigt, dass auch mir das hätte passieren können. Hauchdünn vorbeigeschlittert sozusagen. Genug davon. Ich begann das Buch und es hat mich von der ersten Seite an mitgerissen. Erst Wills ‚altes‘ Leben und dann der Sprung zu Louisa nach dem Unfall. Lou war oder ist so ein toller Charakter, der sich mit der Zeit auch extrem entwickelt hat.
Im Film hatte man in etwa denselben Einstieg. Man sieht einen glücklichen Will, dann den Unfall mit dem Motorrad und dann der Schwenk rüber zu Louisa. Natürlich ist alles im Buch viel viel länger beschrieben, aber es ist auch ein Film und kein Buch. Wenn man wirklich JEDES unwichtige Detail aus den Büchern umsetzen wollte, würde der Kinobesuch 3 Tage dauern.
Im Buch braucht man seine Vorstellungskraft, um Louisas verrückte Kleidung sich vor Augen zu führen, aber im Film braucht man das nicht. Ihre Garderobe war einfach nur perfekt und die Besetzung mit Emilia Clarke finde ich einfach nur klasse. Ihre schauspielerische Leistung ist par excellent und ich kann meine Liebe zur ihrer Mimik und Gestik einfach nicht ausdrücken. Ich bin so begeistert von ihr. Sie ist Lou. Emilia hat ihr Wesen, ihre glückliche Art und dass sie alles ein bisschen auf die leichte Schulter nimmt einfach wunderbar umgesetzt und es hätte niemanden besseres für die Rolle geben können. Alles ist klasse an ihr und ich weiß gar nicht, was alle immer mit ihrer übertriebenen Mimik und Gestik hatten und vorallem mit ihren Augenbrauen. Mein Gott Leute, lasst sie doch. Es stand ihr doch super und es hat doch super zu ihr gepasst. Seht ihr euch manchmal selbst im Spiegel, wie viel ihr vielleicht eure Augenbrauen bewegt? Vielleicht sieht es bei euch genauso blöd aus. Also ganz ruhig auf den billigen Plätzen.

Sam Claflin als gutaussehender Will Traynor war und ist auch ein Traum. So so so super. Die Filmbesetzung war einfach fantastisch. Jede Rolle war perfekt gewählt. Kleine Harry Potter Gefühle kamen natürlich auch auf, nachdem man Matthew Lewis als Patrick gesehen hat. Die verschiedenen Welten von Patrick und Louisa kamen beim Zuschauer an und man merkte, dass mit der Zeit die Beziehung kriselte. Lou ist immer mehr mit ihrem Job, der Pflege von Will, beschäftigt und dadurch kommt alles zu kurz. Ich musste zugeben, dass ich Angst hatte, dass der Film Sachen umändert oder wichtige Stellen kürzt oder gar weglässt. Das ist ja so typisch, aber dem war nicht so. Es war perfekt. Für einen Film absolut ausreichend und weit mehr als das. Es war rund und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass irgendetwas zu kurz kommt.

Jojo Moyes hat ein wundervolles Drehbuch geschrieben und das merkt man einfach am Film. Es ist so ziemlich die beste Buchverfilmung, die ich je gesehen habe. Ich habe geweint, gelacht, geschmunzelt, geweint, gelitten, gelacht und wieder getrauert. Auch meine beste Freundin hat Rotz und Wasser geheult. Leider hatten wir keine Taschentücher oder Ähnliches mit und sahen nach dem Kinobesuch extremst verquollen aus. Zum Glück gibt’s ja aber Sonnenbrillen.

Der Film hatte zuvor ja etliche Kritiken bekommen. Davon gab es auch einige negative, vorallem auch von Querschnittgelähmten, dass der Film oder auch das Buch aussagt, dass Behinderte als Last angesehen werden und dass alle sich Sterbehilfe suchen sollten etc.
Das ist totaler Schwachsinn. Diese Botschaft hat das Buch oder der Film nicht rübergebracht und ich finde diese Argument so blödsinnig, dass ich gar keine Worte dafür finde. Ich bin selbst behindert und dieses Buch hat mir keinesfalls das Gefühl gegeben, überflüssig oder weniger Wert zu sein. Das ist falsch, dann habt ihr das Buch nicht gelesen oder in eurer Stimmung einfach IRGENDWAS kritisieren zu müssen, das falsch aufgefasst. Denn zu keinem Zeitpunkt wird suggeriert, dass man sich als Behinderter lieber das Leben nehmen soll. Das war eine Entscheidung von Will. Von ihm selbst. Wir haben gesehen, dass Behinderte genauso geliebt werden und dass genauso um das Leben gekömpft wird. Hat das Lou nicht allzu deutlich gemacht? Und all die anderen Nebendarsteller? Ich könnte kotzen, wenn ich sowas lese, weil solche Kommentare einfach sinnlos sind.
Nicht jeder wählt diesen Weg wie Will, sondern liebt sein Leben, auch nach einem schwerem Unfall und möchte all die Sachen, die das Leben noch zu bieten hat auskosten, aber es gibt eben auch Leute wie Will, die einfach nicht mehr glücklich werden, die diesen Weg aber selber so wählen. Nicht, weil sie abgeschoben werden, oder weil sie nicht geliebt werden, nein, sondern weil sie nicht glücklich sind. Sie vermissen ihr altes Leben. Sie sehen keinen Sinn mehr darin, sie wollen nicht ständig bei alltäglichen Dingen daran erinnert werden, wie es mal war. Sie kommen damit einfach nicht klar. Und ich kann Will absolut verstehen. Auch ich habe manchmal diese Depressionen in denen ich im mein „früheres“ Leben zurückkehren will. Natürlich nichts so extrem und krass, wie bei ihm und ich würde niemals eine Sterbehilfe nehmen, weil es nicht so schlimm ist bei mir, aber ich kann seine Entscheidung nachvollziehen. Es ist schwer, aber er will es so. Und das war keine Spontanentscheidung, sondern er hatte über 2 Jahre Zeit sich damit auseinander zu setzen.
Man kann Leute zu nichts zwingen, aber man kann sie lieben, ihnen beistehen und helfen.

Solltet ihr den Film noch nicht gesehen haben: tut es! Es ist keine Schnulze, es ist ganz einfach ein schöner Film zum Lachen und Weinen.

Hier könnt ihr nochmal in die Trailer reinschauen, in dem auch die wunderbare Musik gespielt wird. Schon die Trailer rühren mich jedes Mal zu Tränen.

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12 Gedanken zu “EIN GANZES HALBES JAHR – Film vs. Buch

  1. Ariana schreibt:

    Ich bin größtenteils deiner Meinung, nur das ich diese Emilia nicht so sonderlich mag, obwohl sie eig perfekt in die Rolle gepasst hat:D
    Aber alleine wegen Sam Claflin musste ich in diesen Film (und weil das Buch der Hammer ist:D)

  2. tarlucy schreibt:

    Sie spielt auch bei dem neuen Terminator…ich mag sie gerne…sie spielt bei GoT einfach super….Das Buch habe ich nicht gelesen…und ich glaube ich traue mich gar nicht den Film zu sehen…soviel Tränen…uhhh…..da brauch ich dann viel Tempos und Schokolade…;-)

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